KIT-München

KITler auf der Gedenkfeier zum 5. Jahrestag des rassistischen Attentats beim OEZ

MitarbeiterInnnen des KIT-München waren am 22. Juli 2021 eingeladen, an der Gedenkfeier zum 5. Jahrestag des rassistischen Attentats beim OEZ teilzunehmen.

Zur Erinnerung: Am 22. Juli 2016 tötete ein 18-Jähriger aus rechtsextremistischen Motiven im Münchner Norden neun Menschen. Fünf Jahre sind seitdem vergangen, doch Tat und Verfolgung des Täters, die sich über mehrere Stunden hinzogen, verfolgen Betroffene, Angehörige, Augenzeugen und Einsatzkräfte bis heute. In einem Fastfood-Restaurant hatte der Täter fünf Jugendliche aus nächster Nähe erschossen, vier weitere Menschen auf der Flucht, ehe er sich knapp drei Stunden später selbst tötete. Als um 17.50 Uhr die ersten Notrufe eingingen, begann auch für das Krisen-Interventions-Team des ASB - kurz: KIT-München - einer der herausforderndsten Einsätze seiner 27-jährigen Geschichte.

Den ehrenamtlichen Einsatzkräften bot sich bei ihrem Eintreffen ein chaotisches Bild; lange war unklar, ob es sich um einen Einzeltäter handelte, und ob auch für die Helfenden eine Gefahrensituation bestand. "Überlebende eines Attentats brauchen eigentlich in erster Linie Sicherheit", sagt Andreas Müller-Cyran, "anfangs waren wir aber selbst genauso verunsichert wie alle um uns herum." Trotz dieser widrigen Umstände zog das KIT-München noch am selben Abend 22 eigene Einsatzkräfte zusammen, die gemeinsam mit 27 Einsatzkräften anderer Hilfsorganisationen, u. a. KIT-Teams aus dem Umland, der Notfallseelsorge, der Bergwacht und dem BRK 800 Menschen akut betreuten

Die sich anschließende Nacht und die Folgetage waren lang, denn anders als im Rettungsdienst ist der Einsatz für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) nach dem unmittelbaren Ereignis nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Die Einsatzkräfte des KIT-München beginnen oft erst, wenn alle andere Arbeit getan ist, gemeinsam mit den Betroffenen einen Weg zu finden, mit dem, was sie erlebt und erlitten haben, umzugehen.

Die Aufgaben erstreckten sich dabei von der unmittelbaren Betreuung von Personen über das Überbringen von Todesnachrichten bis hin zur behutsamen Begleitung von Trauernden aufgrund der außergewöhnlichen Situation über Tage hinweg zurück in die Handlungsfähigkeit. Unter den Betreuten waren ganz unterschiedlich Betroffene – Hinterbliebene, Menschen, die ihre Angehörigen vermissten, aber auch viele traumatisierte Personen fernab des Geschehens in panischer Angst.

Sieben Tage nach den ersten Schüssen am OEZ hatte das Team aus KIT-München und zusätzlichen Einsatzkräften tausende betroffene Menschen betreut. Täglich waren zwischen 30 und 60 Mitarbeiter*innen der Krisenintervention rund um die Uhr im Einsatz. Auch für sie werden die Bilder dieser Tage bleiben.

Heute, am 5. Jahrestag des rassistischen Attentats, sprachen vor den Angehörigen der Opfer, damals involvierten Einsatzkräften, geladenen Gästen und vielen Menschen, die ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen wollten, Oberbürgermeister Dieter Reiter und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Am berührendsten war der Auftritt von Gisela Kollmann, deren Enkel Guiliano mit 19 Jahren am OEZ starb. Sie machte deutlich, wie tief der Schmerz bei den Familien der Münchner Opfer sitzt. "Es ist ein Stück aus meinem Herzen herausgerissen worden", sagte Kollmann.

Herzlichen Dank an alle KITler, die vor 5 Jahren in diese schwierigen Prozesse involviert waren!

Foto: ASB Müchen/Oberbayern
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Petra Linné

Bereichsleiterin Kommunikation

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