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10 Jahre nach dem OEZ-Attentat

ASB München/Oberbayern erinnert an die Opfer des rassistischen Attentats

Zehn Jahre nach dem rassistisch motivierten Attentat am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) erinnert der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) München/Oberbayern an die Opfer des Anschlags und an einen der herausforderndsten Einsätze seiner jüngeren Verbandsgeschichte. Haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte aus Rettungsdienst, Krisenintervention und Katastrophenschutz begleiteten Betroffene bis tief in die Nacht und weit über den Einsatztag hinaus.

„Fast jede Münchnerin und jeder Münchner erinnert sich noch genau daran, wo sie oder er an diesem Abend war. Das Attentat hat unsere Stadt tief erschüttert und es wirkt bis heute nach. Wenn sich ein solcher rassistischer Anschlag mitten in unserer Stadt, vor unserer eigenen Haustür ereignet, wird schmerzhaft bewusst, wie nah Gewalt und Menschenhass sein können“, sagt Dr. Christine Theiss, Vorstandsvorsitzende des
ASB München/Oberbayern.

Als gegen 17:50 Uhr die ersten Notrufe eingingen, wurden auch die Einsatzkräfte des ASB alarmiert. Der ASB München/Oberbayern unterstützte den Großeinsatz mit seinem Rettungsdienst, der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung sowie dem Kriseninterventionsteam (KIT). Für das KIT-München war der Einsatz einer der herausforderndsten in seiner inzwischen 32-jährigen Geschichte. Bereits am Tattag waren 22 Einsatzkräfte im Einsatz. In den darauffolgenden Tagen unterstützten weitere 27 Einsatzkräfte anderer Hilfsorganisationen die psychosoziale Notfallversorgung. Sie begleiteten Hinterbliebene, Augenzeug:innen und Bürger:innen, überbrachten Todesnachrichten und standen Menschen in den ersten Stunden ihrer Trauer zur Seite.

„Diesen Tag werden auch unsere Einsatzkräfte nie mehr vergessen. In der zunächst noch unsicheren Lage betreuten sie am Ereignistag über 500 Menschen, die Todesangst hatten, Angehörige vermissten oder sogar verloren hatten. Belastungsreaktionen zeigen sich in diesen Lagen oft erst mit Verzögerung – so dauerte der Ausnahmezustand im KIT mit hunderten Einsätzen noch wochenlang an“, erklärt Stephan Jansen, Leitung des KIT-München.

Timo Grünbacher, der damals als Einsatzkraft des KIT-München im Einsatz war, erinnert sich: „Wir waren ohne zeitlichen Puffer sofort mittendrin und über Stunden in einer Unsicherheit, weil es bis zur Entwarnung durch die Polizei bis in die späte Nacht dauerte.“

Die außergewöhnliche Situation prägte nicht nur die Einsatzkräfte, sondern die gesamte Stadt, „... in der sich die meisten Menschen erst mal zurückgezogen und in Sicherheit gebracht haben, aber irgendwie ohnmächtig waren und nur abwarten konnten“, wie Grünbacher die Stimmung in München beschreibt. Gleichzeitig habe das KIT konkret helfen können: „Wir Einsatzkräfte haben ja im Gegenteil alles hochgefahren – und sind
handlungsfähig geworden.“

Besonders beeindruckt zeigte sich Grünbacher von der spontanen Hilfsbereitschaft der Münchner Bevölkerung. Über die spontane Bürgerinitiative #OffeneTür, bei der Münchner:innen Schutz und Unterkunft anboten, sagt er: „Das hat gezeigt, dass wir trotz großer Angst eine Stadtgemeinschaft sind.“

Zehn Jahre später gilt das Mitgefühl des ASB München/Oberbayern den Angehörigen, den Verletzten und allen, die bis heute mit den Folgen des rassistischen Attentats leben. Gleichzeitig erinnert der Verband daran, dass Hilfe nicht mit der akuten Gefahrenlage endet – sondern oft erst dann beginnt.