Der Wünschewagen München/Oberbayern feiert Jubiläum
Seit zehn Jahren erfüllt der Wünschewagen München/Oberbayern des Arbeiter-Samariter-Bundes München/Oberbayern schwerstkranken Menschen einen letzten, oft sehr persönlichen Herzenswunsch. Rund 500 Wünsche konnten seit dem Start im Jahr 2016 bereits erfüllt werden. Dieses besondere Jubiläum wurde im Rahmen einer Feier gemeinsam mit Gästen, Ehrenamtlichen und Unterstützern gewürdigt.
Galerie
Der Wünschewagen begleitet seine Fahrgäste von Hospizen, Palliativstationen oder aus dem eigenen Zuhause an noch einmal bedeutsame Orte. Die Wünsche sind dabei so individuell wie die Menschen selbst: noch einmal ans Meer fahren, bei einer Hochzeit dabei sein oder einen vertrauten Ort wiedersehen.
Manche Fahrten bleiben dabei besonders im Gedächtnis. Die kürzeste Strecke betrug nur rund 300 Meter und führte zu einem letzten Gottesdienstbesuch. Die bislang längste Fahrt führte rund 1.300 Kilometer bis zur Nordseeinsel Texel. Auch Fahrten nach Österreich, Italien oder in die Schweiz gehören zum Projektalltag. Besonders spontan war eine Fahrt, die noch am Tag der Anfrage umgesetzt werden konnte: ein letzter Abschied von den Tieren auf dem eigenen Bauernhof.
„Am Anfang mussten wir vieles erst herausfinden – von rechtlichen Fragen bis hin zu speziellen Schulungen für Ehrenamtliche“, erinnert sich Matthias Bonigut, Mitglied des Vorstands des ASB München/Oberbayern und beim Start des Projekts beteiligt. „Aber die Motivation war sofort da: Menschen in einer schweren Lebensphase noch einmal Teilhabe, Lebensqualität und besondere Momente zu ermöglichen. Genau dafür steht der Wünschewagen bis heute.“
Heute engagieren sich über 100 Ehrenamtliche im Wünschewagen-Team München/Oberbayern, darunter auch Rettungs- und Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte, um die medizinische Versorgung der Fahrgäste sicherzustellen.
Unterstützt wird das Projekt seit vielen Jahren auch von Schauspielerin und Projektpatin Janina Hartwig: „Ich bin sehr dankbar und stolz, Teil des Wünschewagens zu sein. Als Mitglied der ersten Stunde konnte ich erleben, mit wie viel Herzblut alle Ehrenamtlichen dieses Projekt tragen und weiterentwickeln. Zu ermöglichen, dass sterbende Menschen bis zuletzt am Leben teilhaben können, bereichert auch mein eigenes Leben.“
Wie tief die Fahrten Menschen berühren, zeigt auch die Geschichte von Melanie und ihrem Mann Alfons. Melanie, die viele Jahre an Krebs litt, konnte mit dem Wünschewagen noch einmal ihren Herzensort den Tierpark Hagenbeck in Hamburg besuchen. „Das war für uns wie ein Sechser im Lotto“, erzählt Alfons. „Meine Frau hatte dort ein echtes Strahlen in den Augen. Diese Reise bleibt unvergesslich.“
Seinen Ursprung hat der Wünschewagen beim ASB in Essen, wo das Projekt 2014 gegründet wurde. Bereits zwei Jahre später ging München/Oberbayern als erster Standort in Bayern und einer der ersten bundesweit an den Start. Heute ist der Wünschewagen eine feste Größe geworden. Das Projekt wird ausschließlich durch Spenden und ehrenamtliches Engagement getragen und ist für die Fahrgäste kostenlos.
Zehn Jahre nach dem Start ist der Wünschewagen für viele mehr als ein Projekt. Er ist ein Stück gelebte Menschlichkeit auf Rädern und wird getragen von Menschen, die anderen einen letzten Wunsch erfüllen und damit oft mehr schenken, als Worte ausdrücken können.

