Preisverleihung

Charlotte Knobloch mit Annemarie-Renger-Preis ausgezeichnet

Gestern wurde in Berlin der Annemarie-Renger-Preis an Charlotte Knobloch verliehen. Die Preisträgerin ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und wurde für ihren fortwährenden Kampf gegen den Antisemitismus geehrt.

Charlotte Knobloch mit dem Anne-Marie-Renger-Preis 2019

Foto: ASB/Hannibal

Der ASB-Bundesvorsitzende Knut Fleckenstein betonte in seiner Laudatio die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Engagements von Charlotte Knobloch: „Charlotte Knobloch erhebt ihre Stimme gegen den in unserer Gesellschaft erneut aufflammenden Rechtspopulismus immer wieder klar und couragiert. Das beeindruckt uns, und das möchte der ASB heute würdigen.“

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde zum sechsten Mal verliehen. Im Beisein von rund 200 Gästen aus Politik und Gesellschaft, darunter die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und die Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz Christine Lambrecht, diskutierten Charlotte Knobloch und ASB-Präsident Franz Müntefering über die Gefahr des stärker werdenden Antisemitismus. Der Terroranschlag von Halle habe noch einmal schmerzhaft deutlich gemacht, dass die Unversehrtheit jüdischen Lebens in Deutschland keineswegs gesichert sei, stellte Franz Müntefering fest.

Charlotte Knobloch nahm den Preis nach eigenen Worten mit „großer Dankbarkeit und Freude entgegen“. Die Idee und das Ziel des Annemarie-Renger-Preises seien heute aktueller als je zuvor. „Die Ideale, die mit dem Namen Annemarie Renger verbunden sind, müssen uns heute mehr denn je Richtschnur und Anleitung sein“, sagte die Preisträgerin in ihrer Dankesrede. Die Spaltung der Gesellschaft, der Hass, die Intoleranz, die immer weiter abnehmende Bereitschaft zum Dialog und schließlich der Antisemitismus – alle diese Probleme habe bereits auch Annemarie Renger als die großen Gefahren ausgemacht, denen die freiheitliche Demokratie tagtäglich begegnen müsse.

Knobloch mahnte: „Die Fieberkurve unserer Demokratie sehe ich im Steigen begriffen. Dagegen aufzustehen bleibt daher unsere allergrößte und wichtigste Pflicht. Wenige gesellschaftliche Akteure haben dies gründlicher verstanden als der Arbeiter-Samariter-Bund, der sich gelebte Selbsthilfe und die gegenseitige Unterstützung in Zeiten von größter Bedürftigkeit von Anfang an auf die Fahne geschrieben hat.“

Mit Blick auf die AfD sagte Charlotte Knobloch: „Dass eine derartige Gruppierung, die ihre Verharmlosung der nationalsozialistischen Zeit geradezu zelebriert, in unserem Land in so breiter Front Wahlerfolge erzielen konnte, empfinde ich als verstörend und als überdeutliches Anzeichen einer tiefergehenden gesellschaftlichen Krise.“

ASB-Präsident Franz Müntefering appellierte an diesem Abend im Rahmen einer Talkrunde an die Anwesenden: „Demokratie ist auch eine Lebensform, nicht nur eine Staatsform! Und wir müssen heute stärker denn je Demokratie leben. Wir müssen dafür sorgen, das nie – von keiner Seite her – akzeptiert wird, dass Menschen von anderen Menschen weniger wichtig geschätzt werden und dass unter Bezug auf Vergangenheit neue Stimmung gemacht wird gegen Menschen anderer Religionen oder Hautfarbe. Die im Grundgesetz garantierte unantastbare Würde des Menschen gilt für alle gleichermaßen. Das müssen wir lauter besprechen!“

Zu engagiertem Einsatz gegen Antisemitismus rief auch der ASB-Bundesvorsitzende Knut Fleckenstein auf: „Nie wieder wollten wir wegsehen. Das haben wir uns versprochen. Und darum müssen wir spätestens jetzt genau hinsehen und handeln!“

Teil des festlichen Rahmenprogramms war die Wanderausstellung zum Thema "Der Arbeiter-Samariter-Bund und der Nationalsozialismus", die auf reges Interesse stieß. Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte des Verbandes und seiner Mitglieder während der Zeit des Nationalsozialismus, die der ASB wissenschaftlich aufarbeiten ließ. Der ASB wurde 1933 von den Nazis verboten und enteignet, insbesondere jüdische ASB-Mitglieder wurden verfolgt, kamen ins KZ und wurden ermordet.