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03.08.2016

Hilfe für Betroffene des Amoklaufs von München

Ein Helfer des KIT München leistet Hilfe für eine betroffene Person

Mitarbeiter des KIT München betreut einen Jungen, der Schreckliches erlebt hat - Foto - KIT München

Das Krisen-Interventions-Team des ASB München (KIT-München) war fast eine Woche lang im Dauereinsatz, um Angehörige der Toten, Verletzte und Augenzeugen des Amoklaufs am OEZ in München zu betreuen. Die Experten für den Umgang mit traumatisierenden Ereignissen haben darüber hinaus ein Merkblatt zusammengestellt, das Eltern dabei helfen soll, mit ihren Kinder über Terroranschläge zu sprechen.

Peter Zehentner, Leiter des KIT München, erklärt, was nach einem solch schockierenden Ereignis wichtig ist: „Wir raten dazu, mit Familienmitgliedern und Freunden darüber zu sprechen, was geschehen ist, wie man die schwierigen Stunden vom vergangenen Freitag verarbeiten kann. Manchmal hilft es, einfach gemeinsam zu schweigen, Stille zu teilen, oder dem Erlebten bewusst Positives entgegen zu setzen.."

Zudem sei es gerade für Familien mit verunsicherten Kindern wichtig, auch die Dinge zu kommunizieren, die mitten im Chaos gut gelaufen sind.

Eine große Bitte des KIT-München an alle Betroffenen, Wenn es Ihnen längere Zeit nicht gut geht, Ihnen Bilder, Geräusche oder andere Eindrücke nicht aus dem Kopf gehen, holen Sie sich BITTE Unterstützung. Solche und andere Symptome können auch verzögert auftreten, eventuell erst nach Ihrem Urlaub oder nach den Sommerferien. Rat und Informationen zu geeigneten Einrichtungen erhalten Sie über das Beratungstelefon für Betroffene des Referates für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München 089 / 233- 4 72 90. Viele Einrichtungen in München stehen bereit Sie zu unterstützen. Dies sind z.B. die Kolleginnen und Kollegen von den Trauma Ambulanzen von LMU, TU, oder KBO, von der Münchner Insel, vom Trauma Hilfe Zentrum München, dem Frauen Therapiezentrum, dem Frauennotruf, der Arche, den Telefonseelsorgen und vielen anderen. Auch wenn die Symptome erst später auftreten. Sobald diese Ihr normales Leben vielleicht sogar unmöglich machen, holen Sie sich bitte Hilfe.

„Es gab Menschen, die sich ganz großartig verhalten haben und die gezeigt haben, was Mitmenschlichkeit und Solidarität bedeutet. Zum Beispiel diejenigen, die denen, die in der Stadt gestrandet waren, eine offene Tür geboten haben, oder die Verantwortlichen in einem Kaufhaus, die mit der Belegschaft bis nachts um 2 Uhr dageblieben sind, um sich um Menschen zu kümmern, die sich in ihr Geschäft geflüchtet hatten."

Peter Zehentner rät vor allem Eltern, diese positiven Seiten in Gesprächen mit Kindern hervorzuheben: „Machen Sie deutlich, dass und wie den betroffenen Menschen geholfen wurde und wird. Weisen Sie darauf hin, dass die Polizei, der Rettungsdienst, Hilfe schnell vor Ort waren, Das die Verletzten jetzt in Krankenhäusern und dort ‚in guten Händen' sind. Sprechen Sie darüber, wie Menschen sich gegenseitig geholfen haben, sich trösten und für Unterstützung sorgen können."

Das KIT-München hat ein Markblatt herausgegeben, das Eltern hilft, mit ihren Kindern über den Amoklauf zu sprechen. Hier können Sie es kostenlos herunterladen.

Die administrativen Leiter PSNV der Landeshauptstadt München Dr. Andreas Müller-Cyran und Peter Zehentner, sowie die Leitung des Stabes PSNV Alexander Buchmann  haben kurz nach dem Ereignis die katholische Telefonseelsorge (KTS) gebeten eine Hotline für Betroffene einzurichten. Diese ist erreichbar unter : (089) 21 37 20 78. Wir danken auch an dieser Stelle Alexander Fischhold, Leiter der KTS und seinem Team für die schnelle und professionelle Unterstützung für die Betroffenen. Ab Montag den 01.08.2016 ist das Beratungstelefon für Betroffene des Referates für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München 089 / 233- 4 72 90 zuständig und erreichbar.

Hintergrund:

Das Krisen-Interventions-Team des ASB München, kurz KIT-München, besteht aus zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus unterschiedlichen Hilfsorganisationen und Institutionen, die unter dem Dach des KIT-München Menschen nach bedrohlichen und belastenden Ereignissen betreuen. Das KIT-München steht seit über 22 Jahren an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag in Bereitschaft oder ist im Einsatz. Normalerweise hat das KIT-München als erstes Team dieser Art ca. 2,5 Einsätze pro Tag.

Nach dem Amoklauf am Olympia-Einkaufs-Zentrum in München mit 10 Toten und 35 Verletzten ist das Krisen-Interventions-Team KIT-München im Dauereinsatz. Seit Freitagabend betreuen die ehrenamtlichen Helfer verschiedener Organisationen, die im Krisen-Interventions-Team des ASB München zusammenarbeiten, Angehörige und Betroffene des Amoklaufs. Da zu Beginn aufgrund der großen Anzahl von Betroffenen ein sehr hoher Bedarf an Psychosozialer Unterstützung (PSNV) erkennbar war, hat der Leiter PSNV (L-PSNV) des KIT-München umgehen andere Teams um Unterstützung gebeten.  Unter der Leitung des KIT-München wurde der Einsatz unterstützt von verschiedenen KIT bzw. PSNV-Teams z.B. dem KIT Garmisch, Starnberg, Freising-Erding, Ebersberg,  von verschiedenen Teams der Notfallseelsorge, dem KIT der Bergwacht, dem SkB Team der Berufsfeuerwehr der Stadt München, den Kolleginnen und Kollegen der AETAS Kinderstiftung und vielen anderen. Die Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert und das KIT-München bedankt sich auch an dieser Stelle für die hervorragende Zusammenarbeit, Unterstützung und unkomplizierte Hilfe..

Führung und Einsatzleitung

Daneben mussten schnell verschiedenste PSNV Beratungs- und Führungspositionen besetzt werden. Unmittelbar nach der Alarmierung stellte das KIT-München eine Einsatzleitung PSNV  vor Ort am Olympia-Einkaufs-Zentrum. Diese war dann auch Ansprechpartner für die Gesamteinsatzleiter von Katastrophenschutz und Polizei. Aufgrund der Lage wurden vom KIT-München mehrere Untereinsatzabschnittsleiter entsannt. Neben den zwei Betreuungsstellen nördlich und südlich des OEZ wurden noch Unterabschnittsleiter für die Zeugensammelstelle und die Akutbetreuungsstelle vom KIT-München gestellt. Für den Stab der Gefahrenabwehrleitung (GAL) der Landeshauptstadt München übernahm Dr. Andreas Müller-Cyan (benannter administrativer Leiter PSNV)  die Funktion des Fachberaters PSNV  im Stab. L-PSNV Alexander Buchmann überführte die Einsatzleitung PSNV noch am Freitagabend in den Einsatzstab PSNV der beim ASB München saß. Diese Stab war mit bis zu 7 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KIT-München besetzt, wurde unterstützt durch die beiden benannten administrativen Leiter PSNV der LHM, Andreas Müller-Cyran sowie Peter Zehentner und arbeitete bis Donnerstagabend im Schichtsystem rund um die Uhr.

Da schnell klar wurde, dass viele Kinder betroffen waren, wurde von den  administrativen Leitern PSNV die Leitungen der Teams bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen für die staatlichen Schulen KIBBS und für die städtischen Schulen KIN-MUC informiert. Das KIT-München hat dann dem sich bildenden gemeinsamen Stab der Schulpsychologinnen und Schulpsychologen zum ASB eingeladen. So konnten die beiden Stäbe Tür an Tür eng zusammenarbeiten und sich die Schulpsychologen  am Samstag und am Sonntag auf ihren Einsatz in den verschiedenen Schulen am Montagmorgen und den folgenden Tagen bestmöglich vorbereiten. Auch hier klappte die seit vielen Jahren im Kleinen eingeübte Zusammenarbeit hervorragend. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Kolleginnen und Kollegen von KIBBS und KIN-MUC für die hervorragende Zusammenarbeit und dem Kultusministerium, das dies unkompliziert möglich gemacht hat.

Bis Montagmorgen waren bis zu 55 Helfer bei 250 Einsätzen vor Ort. Dr. Dominik Hinzmann, Leiter des Einsatzstabes Psychosoziale Notfallversorgung in München: „Nur durch die reibungslose Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen können wir so eine Ausnahmesituation meistern und für die betroffenen Menschen da sein."

Wie wichtig, die PSNV-Arbeit der geschulten psychologischen Helferinnen und Helfer ist, zeigt sich im Moment auch an zahlreichen anderen Einsatzorten in Bayern. So betreuen die örtlichen ehrenamtlichen PSNV-Mitarbeiter von KIT und NFS auch Überlebende des Angriffs von Würzburg sowie Menschen, die das Attentat in Ansbach miterleben mussten.