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14.11.2013

Kiew – eine Reise auf den Spuren der NS Zwangsarbeit

Die ASJler erlebten in Kiew starke soziale Gegensätze - Foto - ASJ München - Max Müller

Sieben Jugendliche reisten in einem gemeinsamen Projekt des ASB und der Stadt München nach Kiew und befragten dort ehemalige Zwangsarbeiter, die in der NS-Zeit in Waffenindustrie, Landwirtschaft oder Haushalten schuften mussten.

Nach ihrer Rückkehr waren alle Teilnehmer begeistert von dem Projekt und um einige Erfahrungen reicher:

Am Samstag den 26.10.13 trafen wir uns um 17 Uhr am Flughafen München.

Wir, das waren Laura Honndorf (ASJ), Franziska  (Medien Zentrum München = MZM), Alice (MZM), Lisa (MZM), Sven-Markus Sarbu-Rothsching (ASJ) und ich (Maximilian Müller, ASJ) und natürlich unsere Betreuer Ilona (MZM), Andrea Bendl (ASB) und Moritz Wohlrab (ASB).

Wir kannten uns schon von den zahlreichen Vorbereitungstreffen an den Wochenenden zuvor, sodass wir gleich zum Check-In gingen. Am Gate trafen wir bereits auf Svetlana Lewkowska, die Geschäftsführerin des ASB Kiew. Sie begleitete uns auf dem Flug, aber vor allem durch den ukrainischen Zoll. Auf der Fahrt ins Hostel erlebten wir bereits die erste Überraschung: Der Straßenverkehr in Kiew ist sehr „sportlich“. Sicherheitsgurte sind auch nicht überall vorhanden und werden äußerst selten benutzt… auch wird auf Einsatzfahrzeuge kaum Rücksicht genommen und schon gar keine Rettungsgasse gebildet. Die Zimmer waren auf deutschem Standard und zu unserer Erleichterung passten auch die Stromstecker.

Am nächsten Tag besichtigten wir erst einmal die Stadt. Eigentlich wollten wir um 10 Uhr los aber durch die Zeitverschiebung und die Zeitumstellung in derselben Nacht stimmten nicht alle unsere Uhren und wir waren eine halbe Stunde zu spät dran. Kiew überraschte uns mit vielen Bäumen und anderem natürlich wirkendem Grün und künstlerischen Spielplätzen und Parkanlagen. Auch die Häuser waren teilweise kunstvoll bemalt. Trotzdem sahen wir auch Fahrzeugleichen und ähnliche Zeugen der Armut. Am Nachmittag lernten wir eine Gruppe ukrainischer Jugendlichen kennen, die wir im Laufe der Woche immer wieder trafen und gemeinsame Aktivitäten unternahmen.

Am Montag erwartete uns ein Workshop zum Thema NS-Zwangsarbeit und Entschädigung durch die zuständige „Stiftung für Toleranz und Anerkennung“. Dann haben wir uns im Veteranenhaus mit den ersten Zeitzeugen zum Nachmittagssnack getroffen und Gespräche geführt, wobei die ukrainischen Jugendlichen übersetzten.

Ein aus den ehemaligen Zwangsarbeitern bestehender Chor hat uns tolle ukrainische Stücke präsentiert, begleitet von einem Akkordeon. Bestimmte Leute pickten wir uns dann noch zum Einzelinterview vor der Kamera heraus. Nach einem anstrengenden Tag mit abenteuerlichem Essen, wie zum Beispiel Krapfen mit Karottenfüllung, und einem langen Abend mit Arbeit an unserem Blog (www.jff.de/asb_ukraine/) waren wir alle fix und fertig.

Am nächsten Morgen waren wir natürlich nicht pünktlich fertig und der Bus, der uns zum ASB Kiew brachte, musste warten – wie eigentlich jeden Morgen. Als wir bei dem wie ein Baucontainer wirkendem Bürogebäude ankamen, gab es erst mal Tee und Kaffee – allerdings ohne Milch. Dann wurden wir von den Pflegern zu den ehemaligen Zwangsarbeitern mitgenommen. Dafür teilten wir uns in 2 Gruppen auf, damit auch alle in den engen Wohnungen Platz hatten. Eine Gruppe nahm die Kamera mit und die andere nur das Aufnahmegerät. Bei den Wohnsiedlungen angekommen, waren wir über den schlechten Zustand der Gebäude doch noch überrascht. Die Gänge waren dunkel und wenn überhaupt ein Aufzug vorhanden war, hatte man nicht wirklich das Bedürfnis, die alte Technik zu testen. Die Wohnungen selbst waren recht klein und leicht rustikal eingerichtet, sie wurden den alten Menschen vom damals kommunistischen Staat geschenkt. Die Menschen selbst waren freundlich und offen. Sie wirkten sehr aufgeregt und erfreut, dass deutsche  Jugendlichen sie besuchen und sich für ihre Geschichte interessieren und erzählten ausgiebig. Zum Mittagessen waren wir dann, im totalen Kontrast zu den ärmlichen Verhältnissen der ehemaligen Zwangsarbeiter, in einem noblen Sternerestaurant eines Hotels.

Danach fuhren wir noch zu einer Schule, wo eine Ausstellung von Kunst über den 2. Weltkrieg eröffnet wurde. Wir drei Jugendliche vom ASB hielten auch einen kleinen Vortrag über die ASB Geschichte, den wir noch in Deutschland vorbereitet hatten.

Am Mittwoch fuhren wir gemeinsam mit den ukrainischen Jugendlichen aufs Land, ca. 100 km von Kiew. Wieder besuchten wir eine Schule und redeten mit ehemaligen Zwangsarbeitern und wieder wurden wir sehr herzlich empfangen und begrüßt. Dann probierten wir uns bei Gesang von Schülern durch die verschiedensten ukrainischen Spezialitäten, bevor wir zum eigentlichen Mittagessen fuhren. Wir besuchten noch verschiedene Gedenkstätten und pflanzten anschließend gemeinsam mit dem Bürgermeister der Stadt einige Bäume in einen speziellen Gedenkgarten einer Schule.

An den letzten beiden Tagen besichtigten wir noch das Museum des Vaterländischen Krieges, Babyn-Jar und das Tschernobyl Museum. Die waren zwar interessant, aber halt eben Museen.

Am Freitagnachmittag verabschiedeten wir uns dann von den ukrainischen Jugendlichen, die sehr gerührt waren. Und am Samstag hatten wir dann noch ein paar Stunden, um Souvenirs zu kaufen, bevor wir zum Flughafen fuhren. Nach langem Warten beim Zoll und im Flugzeug kamen wir dann nach einer anstrengenden Woche wieder in München an.