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03.01.2017

Neue Leistungen der Pflegeversicherung seit 1.1.2017

Pflegestärkungsgesetz
Durch das neue Pflegestärkungsgesetz fördert der Staat seit 2017 die Leistungen für pflegebedürftige Personen, die in Pflegegrade eingeteilt werden

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff nimmt die Zahl der Menschen, die Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben, zu - Foto - ASB/Barbara Bechtloff

Mit den neuen Pflegegraden ändern sich auch die Leistungen der Pflegeversicherung. Hier eine Übersicht der Leistungen der Pflegekassen seit 1. Januar 2017.

Wenn bereits vor dem 1. Januar 2017 Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde, wird die Pflegestufe zum 1. Januar 2017 in einen Pflegegrad (PG) überführt. Bei der Überleitung ist ausgeschlossen, dass sich Leistungsansprüche verschlechtern. Durch Besitzstandsschutzregelungen wird sichergestellt, dass Leistungsbezieher nicht schlechter gestellt werden. In den meisten Fällen findet sogar eine deutliche Verbesserung statt. Die Überleitung erfolgt automatisch ohne Antragstellung. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen brauchen dafür nicht selbst aktiv zu werden. Eine neue Begutachtung ist ebenfalls nicht erforderlich.

Leistungen der Pflegeversicherungen ab 2017: 

1. Vollstationäre Pflege

  • Pflegegrad 1:       0 Euro
  • Pflegegrad 2:   770 Euro monatlich
  • Pflegegrad 3: 1.262 Euro monatlich
  • Pflegegrad 4: 1.775 Euro monatlich
  • Pflegegrad 5: 2.005 Euro monatlich

Der einrichtungsabhängige Eigenanteil (private Zuzahlung) in stationären Einrichtungen wird über die Pflegegrade hinweg vereinheitlicht. Er ist somit in der jeweiligen Einrichtung für alle Pflegegrade identisch und ändert sich auch nicht, wenn sich der Pflegegrad im Laufe der Zeit erhöht. Im Bundesdurchschnitt wird der Eigenanteil zunächst deutlich unter 1.000 Euro im Monat liegen. Er kann im Laufe der Zeit steigen, zum Beispiel wenn der Anteil der Bewohner mit sehr hohen Pflegegraden in den stationären Einrichtungen zunimmt.


2. Kurzzeitpflege

Auch für die kurzfristige Unterbringung in einem Seniorenpflegeheim, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt, oder wenn der pflegende Angehörige im Urlaub ist, können Mittel der Pflegeversicherung beantragt werden.

  • Pflegegrade 2 bis 5: bis zu 1.612 Euro jährlich
  • Pflegegrad 1: Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro/Monat kann für die Kurzzeitpflege eingesetzt werden.

Wird die Verhinderungspflege nicht voll in Anspruch genommen, kann der Leistungsbetrag für die Kurzzeitpflege bis zum Maximalbetrag von 3.224 Euro erhöht werden.

Wichtig: Das Pflegegeld wird während der Kurzzeitpflege zu 50 Prozent weiter gezahlt.

3. Tages- und Nachtpflege

Pflegebedürftige Menschen verbringen den Tag bzw. die Nacht in einer Tagespflegeeinrichtung. Sie werden auf Wunsch von zu Hause abgeholt und wieder zurückgebracht.

  • Pflegegrad 1:      0 Euro
  • Pflegegrad 2:   689 Euro monatlich
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro monatlich
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro monatlich
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro monatlich 

Hinweis zu Pflegegrad 1: Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro/Monat kann für die Kurzzeitpflege eingesetzt werden.

4. Pflegesachleistungen: ambulanter Pflegedienst

  • Pflegegrad 1:      0 Euro
  • Pflegegrad 2:    689 Euro monatlich
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro monatlich
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro monatlich
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro monatlich

Hinweis zu Pflegegrad 1: Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro/Monat kann für die Kurzzeitpflege eingesetzt werden.

5. Pflegegeld: Pflege durch Angehörige

Pflegebedürftige Menschen werden von Angehörigen oder anderen privaten Pflegepersonen betreut und erhalten dafür ein monatliches Pflegegeld.

  • Pflegegrad 1:    0 Euro
  • Pflegegrad 2: 316 Euro monatlich
  • Pflegegrad 3: 545 Euro monatlich
  • Pflegegrad 4: 728 Euro monatlich
  • Pflegegrad 5: 901 Euro monatlich 

6. Entlastungsleistungen gemäß § 45b SGB XI

  • Alle Pflegegrade in der ambulaten Pflege: 125 Euro monatlich

Pflegebedürftige, die zu Hause gepflegt werden, haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag von 125 Euro. Dieser kann für Angebote zur Alltagsunterstützung eingesetzt werden, die nach Landesrecht anerkannt sind.

Hinweis zu Pflegegrad 1: der Entlastungsbetrag kann auch für Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege genutzt werden.

Entlastungsleistungen können in der ambulanten Versorgung nun ohne Einbußen erhöht werden, indem bis zu 40 Prozent des Sachleistungsanspruches entsprechend umgewandelt werden (§45a SGB XI) und zusätzlich monatlich in Anspruch genommen werden können.

7. Pflegekurse/Schulungen zu Hause gemäß § 45 SGB XI

Pflegende Angehörige haben Anspruch auf unentgeltliche Schulungskurse. Auf Wunsch können die Schulungen auch zu Hause beim Pflegebedürftigen durchgeführt werden. 

8. Pflegeberatung  nach § 7a SGB XI

Pflegebedürftige und Angehörige haben Anspruch auf individuelle Beratung.

9. Verhinderungspflege

Wenn Pflegepersonen verhindert sind, zum Beispiel weil pflegende Angehörige Urlaub machen wollen oder krank werden, haben Pflegebedürftige einen Anspruch auf Vertretung: die sogenannte Verhinderungspflege. Diese kann zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine private Pflegeperson, die kein naher Angehöriger des Pflegebedürftigen ist, übernommen werden.

  • Pflegegrade 2 bis 5: bis zu 1.612 Euro jährlich

Der jährliche Leistungsanspruch auf Verhinderungspflege lässt sich auf bis zu 2.418 Euro erhöhen, wenn keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wird.    Pflegende Angehörige können die Verhinderungspflege auch stundenweise in Anspruch nehmen, zum Beispiel für Arztbesuche oder Einkäufe.

10.  Arbeitslosen- und Rentenversicherung für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige werden ab 2017 in der Renten- und Arbeitslosenversicherung besser abgesichert sein. Die Pflegeversicherung zahlt für alle Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen mit einem zwischen Pflegegrad 2 und 5 zu Hause pflegen, Beiträge in die Rentenversicherung. Vorausgesetzt: Die häusliche Pflege umfasst mindestens zehn Stunden, verteilt auf mindestens zwei Tage in der Woche.  

Wer aus seinem Beruf aussteigt, um einen Angehörigen mit mindestens Pflegegrad 2 zu Hause zu pflegen, dem zahlt die Pflegeversicherung ab 2017 Beiträge in die Arbeitslosenversicherung. Vorausgesetzt: Die häusliche Pflege umfasst mindestens zehn Stunden, verteilt auf mindestens zwei Tage in der Woche.  

 

11. Pflegehilfsmittel

Als Pflegehilfsmittel gelten Hilfsmittel wie Betteinlagen und Einmalhandschuhe, wenn sie zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen oder ihm eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen.

  • Alle Pflegegrade: bis zu 40 Euro monatlich

12. Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds

  • Alle Pflegegrade: bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme (bis zu 16.000 Euro, wenn mehrere Anspruchsberechtigte zusammen wohnen) 

13. Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen

  • Alle Pflegegrade: max. 2.500 pro Person/10.000 pro Wohngruppe monatlich
  • Alle Pflegegrade: Wohngruppenzuschlag von 214 Euro monatlich 

14. Zusätzliche Betreuungsleistungen gemäß § 43b SGB XI

  • Alle Pflegegrade: Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen in teil- und stationären Einrichtungen 

Die Leistungen gelten seit dem 1. Januar 2017