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16.08.2016

Widerstand gegen die Katastrophe

Vorsorge treffen auf Sumatra
Der ASB hilft den Menschen in West-Sumatra, sich besser vor Katastrophen zu schützen

Auf den abgelegenen Mentawai-Inseln übt der ASB mit Gemeindebewohnern, wie sie sich nach einem Erdbeben verhalten und zum Beispiel gefahrlos ihre Häuser verlassen können - Foto - ASB Indonesien und Philippinen

Der ASB hilft Menschen in West-Sumatra, sich besser vor Katastrophen zu schützen. Dafür setzt er vor allem auf drei Dinge: eine gestärkte Lokalverwaltung, besseres Wissen über die Auswirkungen von Naturkatastrophen – und eine Verminderung der Armut, die mitverantwortlich für die geringe Widerstandsfähigkeit der Menschen im Katastrophenfall ist.

Vor Naturkatastrophen ist niemand gefeit. Die sozial Schwächsten aber trifft es oft am härtesten. Wer kein Geld hat, um ein solides Haus zu bauen, dessen Hütte wird bei einem Erdbeben oder einem Wirbelsturm einstürzen. Wer mit einer Behinderung lebt oder alt und gebrechlicher geworden ist, kann sich oft nur mit fremder Hilfe rechtzeitig vor Gefahren in Sicherheit bringen. Und wer nie gelernt hat, zu lesen oder zu schreiben, den erreichen die Warnhinweise der Regierung gar nicht erst. All diese Menschen zu stärken, damit sie bei Katastrophen besser abgesichert sind, das ist das Ziel des ASB in seinem neuen Projekt in der indonesischen Region West-Sumatra.

„Wir verfolgen einen sehr umfassenden Ansatz, der Aspekte der Katastrophenvorsorge, Inklusion besonders gefährdeter Gruppen und die Stärkung der Lebensgrundlagen beinhaltet", sagt Martin Kunstmann, Projektkoordinator bei der ASB-Auslandshilfe. „Dabei arbeiten wir mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren gleichermaßen zusammen."

Lebensgrundlagen entwickeln, um die Menschen zu stärken

Armutsbekämpfung ist ein wichtiger Teil des Projektes, das im Juni 2016 gestartet ist und sich vor allem auf den Küstenbezirk Pesisir Selatan und die davor gelagerten Mentawai Inseln konzentriert. Hier gelten rund 20 Prozent der Bevölkerung als arm. Das bedeutet, sie haben monatlich weniger als 22,60 US-Dollar zur Verfügung. Ein weiterer großer Teil der Menschen, die hier leben, hat nur wenig mehr. Ihnen hilft der ASB, ihre Gewerbe, etwa als Farmer oder als Fischer, weiterzuentwickeln und sie mit möglichen Wirtschaftspartnern zu vernetzen.

Wichtige Unterstützung für die Lokalverwaltungen

Der zweite Schwerpunkt des Projekts liegt in der Stärkung der lokalen Verwaltung. Zwar gibt es ein nationales Programm zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gemeinden in Katastrophenfällen. Wegen der viel zu geringen finanziellen Ressourcen erreicht es bislang jedoch nur wenige Gemeinden. „Die Provinz- und Distriktbehörden setzen auf den ASB, um diese Lücke zu füllen und darüber hinaus Modellansätze für die praktische Umsetzung des Programms zu entwickeln", erklärt Martin Kunstmann. Dazu schult der ASB Behörden und Privatpersonen über Gefahren und Möglichkeiten, sich zu schützen. Er bildet Trainer aus, die in einem zweiten Schritt den Familien in ihrem Umfeld erklären, wie sie ihre Häuser sicher ausstatten können oder wie sie sie im Notfall evakuieren können. Diese Mechanismen werden auch in regelmäßigen Übungen auf Gemeindeebene eintrainiert.

Verbesserte Kommunikation

Damit die Menschen in den ersten Stunden und Tagen nach einer Katastrophe nicht völlig hilflos sind, gehört zum Projekt auch die Verteilung von Erste-Hilfe-Sets und von Inventar für Notunterkünfte. Außerdem gibt der ASB Funkgeräte in den Projektregionen aus und schult Katastrophenvorsorgeteams in der Nutzung. So wird sichergestellt, dass die betroffenen Gemeinden untereinander kommunizieren und externe Hilfe herbeirufen können.

Indonesien ist Hochrisikoland

Indonesien ist extrem anfällig für Naturkatastrophen. Dies liegt unter anderem an dem sogenannten „Pazifischen Feuerring", einer tektonischen Bruchlinie, die zudem durch hohe vulkanische Aktivität gekennzeichnet ist. Insbesondere zwischen Padang und den Mentawai-Inseln sorgt dies regelmäßig für schwerste Erdbeben, die nicht selten Tsunami szur Folge haben. Der ASB ist seit 2006 in Indonesien aktiv, um die Bevölkerung auf das hohe Katastrophenrisiko ausgiebig vorzubereiten. Auch auf den abgelegenen Mentawai-Inseln leisteten die Samariter bereits in den vergangenen Jahren wichtige Hilfe bei der Katastrophenvorsorge.