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08.08.2016

Vorbereitet auf den Ausnahmefall

Erdbebenübung in Indonesien
Der ASB trainierte in der bislang größten Erdbebenübung im asiatisch-pazifischen Raum  Ende Juli mit Teams aus 24 Ländern

Zu einer guten Vorbereitung auf mögliche Katastrophen gehört auch die Kenntnis von Abläufen und Zuständigkeiten - Foto - ASB Indonesien & Philippinen

Was, wenn eine ganze Großstadt von einer Katastrophe überwältigt wird? Oder sich gar zwei Notfälle zeitgleich abspielen? In der bislang größten Erdbebenübung im asiatisch-pazifischen Raum trainierte der ASB Ende Juli mit Teams aus 24 Ländern, was zu tun ist, wenn der Ausnahmezustand eintritt.

Die indonesische Großstadt Yogyakarta wird von einem heftigen Erdbeben heimgesucht. Nur kurze Zeit später bricht der Vulkan aus, der direkt am Stadtrand liegt, was tausende Einwohner in akute Lebensgefahr bringt: Was erst einmal nur ein fiktives Szenario ist, könnte auf den vielen Inseln zwischen dem indischen und pazifischen Ozean jederzeit erschreckende Wirklichkeit werden.

Indonesien gehört zu den seismisch aktivsten Regionen der Welt und wird daher regelmäßig von Erdbeben, Flutwellen und anderen Naturkatastrophen getroffen – Anlass genug für die nationale indonesische Katastrophenschutzbehörde BASARNAS, dort die größte Erdbebenübung durchzuführen, die in Asien und dem Pazifikraum bislang stattgefunden hat.

Stärkerer Fokus auf Menschen mit Hilfsbedarf

Mehr als 400 Teilnehmer aus 24 Ländern nahmen vom 25. bis 29. Juli 2016 an der gemeinsamen Übung teil. Im Mittelpunkt standen Planung und Koordination eines solchen Nothilfeeinsatzes. Die Abstimmung zwischen den Teams wurde in verschiedenen Teilbereichen trainiert, zum Beispiel bei der Suche und Bergung von Vermissten, der medizinischen Nothilfe und der Gesamtplanung der Einsatzkräfte.

Axel Schmidt, der für den ASB bei der Übung zum Koordinationsteam der Übung gehörte, war mit dem Verlauf zufrieden: "Uns war es wichtig, dass die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in den Übungsbestandteilen mitgedacht werden. Das haben wir erreicht. Wir haben das Thema Inklusion in der Nothilfe bei vielen wichtigen Entscheidern und Nothilfekräften unumgänglich gemacht."  Dies war möglich, weil auch ein vom ASB Indonesien trainierter ehemaliger Notfallretter, der selbst bei dem schweren Erdbeben in Yogyakarta von 2005 verschüttet wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt, in das Szenario eingriff und die Koordinierungsstellen und Nothilfekräfte mit dem Thema Inklusion konfrontiert hat. Seine Botschaft war: "Menschen mit Behinderungen sind keine Opfer, sondern sollen auch in die Nothilfe als wichtige Kräfte miteinbezogen werden."

Wertvoller Austausch für medizinische Notfallteams

Axel Schmidt vertrat bei der Übung auch das FAST, die Schnelleinsatzgruppe des ASB für weltweite Notfälle: "Diese Übung war eine fantastische Gelegenheit für das FAST, sich mit anderen deutschen und internationalen medizinischen Nothilfeteams auszutauschen", sagte er. "Das hat auch das FAST im Zertifizierungsprozess bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorangebracht."

Die Weltgesundheitsorganisation prüft derzeit, ob das FAST die nötigen Voraussetzungen mitbringt, um als internationales medizinisches Nothilfeteam klassifiziert zu werden. Derzeit sind 74 Teams weltweit im Zertifizierungsprozess. Die Zertifizierung dient als Qualitätskriterium und hilft Ländern mit einem akuten Hilfebedarf dabei, geeignete Teams für die sofortige Hilfe nach Katastrophen auszuwählen. Die Philippinen sind zum Beispiel eines der Länder, die nur noch zertifizierte Medizinteams ins Land lassen. Bislang wurden erst vier Teams weltweit von der WHO zertifiziert.

Übung beruht auf Erfahrungen aus früheren Katastrophen

Für die Einwohner von Yogyakarta ist ein Schreckensszenario wie das nun trainierte nicht fremd: Im Jahr 2005 war die Stadt von einem schweren Erdbeben betroffen. Die Katastrophe war damals der Ausgangspunkt für das ASB-Engagement in dem Inselstaat, das seit nunmehr zehn Jahren erfolgreich andauert.