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21.07.2016

"Selbstüberschätzung ist die größte Gefahr"

Wasserrettung in der Badesaison
Weil viele Personen nicht schwimmen können und wegen des mangelnden Sicherheitsbewusstseins kann im Notfall häufig keine wirksame Hilfe stattfinden

Mitten im See und plötzlich setzt die Erschöpfung ein: Häufig ist eine falsche Einschätzung der Entfernungen und der eigenen Möglichkeiten der Grund für einen Notfall auf dem Wasser - Foto: ASB / Hannibal

Pünktlich zur Ferienzeit hat doch noch das Freibadwetter eingesetzt. Aber Achtung: Rund 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland können nach einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts nicht schwimmen. Viel zu oft müssen nach Unfällen am Meer, in Flüssen oder Badeseen die ASB-Wasserretter einspringen.

„Schwimmer wollen oft weit raus und schätzen Entfernungen falsch ein; Segler gehen noch bei großen Windstärken ohne Schwimmweste aufs Wasser – viele Unfälle passieren wegen des mangelnden Sicherheitsbewusstseins der Menschen", erklärt Fabian Panther, der die Wasserrettung beim ASB Berlin leitet. „Ihre Selbstüberschätzung ist die größte Gefahr im und am Wasser."

Häufige Unfallgefahr mit Booten

Überall in Deutschland bietet der ASB an Wochenenden und in der Ferienzeit Wachdienste an. Ehrenamtliche Helfer beaufsichtigen Baggerseen, Waldbäder oder die Küste. Häufiger noch als erschöpfte Schwimmer müssen sie dabei gekenterte Boote bergen. Zwischen 450 und 500 sind es pro Jahr allein in Berlin – kein Wunder bei 64.000 Booten, die in der Hauptstadt gemeldet sind und bei schönem Wetter aufs Wasser gelassen werden. Immer wieder kommt es dabei vor, dass die verunglückten Bootsfahrer nicht schwimmen können. „Selbst diese Leute tragen häufig keine Schwimmwesten. Das ist unerklärlich", wundert sich Fabian Panther.

Mehr Menschen müssen schwimmen lernen

Ziel des ASB ist es, deutlich mehr Menschen zu Schwimmern auszubilden, um die Unfallgefahr zu verringern – auch, weil längst nicht alle Seen und Küsten in Deutschland durch den ASB und andere Rettungsorganisationen abgesichert werden. Vor allem im Winter reichen aber die Hallenkapazitäten kaum für den Schwimmunterricht aus.

Beim ASB Schwerin-Parchim funktioniert es dennoch: Zusammen mit verschiedenen Schulen der Region führt der ASB Schulschwimmkurse durch. In den Sommermonaten bieten ehrenamtliche Ausbilder Schwimmkurse an Seen an. Die Nachfrage ist enorm. Und in der Gemeinde können inzwischen fast alle Kinder im Grundschulalter schwimmen. Das liegt auch am großen Engagement der ASB-Mitarbeiter. Mark Stiehl, Kreisleiter Wasserrettungsdienst beim ASB Schwerin-Parchim, erklärt: „Neben den fehlenden Hallenzeiten besteht auch ein allgemeiner Mangel an Rettungsschwimmern, weil die Bedeutung des Ehrenamts in dem Bereich noch nicht so viel Beachtung findet. Wir haben aber eine sehr große und engagierte ehrenamtliche Basis. Sowohl der Schwimmunterricht als auch die Wasserrettung sind nur dank dieses Engagements möglich".