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04.12.2015

„Ohne Bürgerschaftliches Engagement kann keine Demokratie auf Dauer bestehen“ – Paritätischer in Bayern zeichnet Menschen für ihr ehrenamtliches Engagement aus

Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember:

„Wir schaffen das, wir sind so ein reiches Land – das wäre doch gelacht!“, sagen Ursula und Jost Hess, die bereits vor 30 Jahren den Arbeitskreis Asyl in Weiden gründeten und heute für ihr Engagement den Luise-Kiesselbach-Preis erhalten. Circa 100 Freiwillige engagieren sich in Weiden für Flüchtlinge, organisieren Patenschaften für Behördengänge, Fahrten oder ein Kleiderlager. Vor 30 Jahren sah das noch ganz anders aus. Damals sprossen aus diffusen Ängsten dumpfe Vorurteile, die nicht nur Flüchtlinge, sondern alle, die Flüchtlingen geholfen haben, zu spüren bekamen. Auch die Familie Hess wurde bedroht. Einmal landete ein Stein in ihrem Auto.

Gerald Häfner, Vorstand von Democracy International und Festredner bei der Verleihung des Luise-Kiesselbach-Preises 2015, betont das besondere Potential Bürgerschaftlichen Engagements für die Gesellschaft, wie es am Beispiel der Familie Hess deutlich wird: „Demokratie muss gelebt werden. Ohne Bürgerschaftliches Engagement kann keine Demokratie auf Dauer bestehen. Sie wäre eine leere Hülle und nicht das, was sie ist: ein rechtlich-politischer Raum, in dem Menschen ihr Leben und die alle gemeinsam betreffenden Fragen aktiv und in Freiheit miteinander gestalten.“

„Bürgerschaftliches Engagement ist unverzichtbar für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, ergänzt Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern. Der Wohlfahrtsverband setzt sich seit vielen Jahren für verbesserte Rahmenbedingungen und mehr Anerkennung des Ehrenamtes ein. Gleichzeitig zeigt er immer wieder den gesellschaftlichen Spagat: die Bedeutung des Ehrenamtes für das soziale Gemeinweisen einerseits und andererseits der Versuch, Freiwilligenarbeit politisch als Einsparpotential sozialstaatlicher Leistungen zu funktionalisieren.

Luise-Kiesselbach-Preis richtet Fokus auf die Menschen, die seit vielen Jahren Demokratie leben

Das enorme Potential Bürgerschaftlichen Engagements werde in der Hilfe für Flüchtlinge deutlich. In vielen Bereichen unserer Gesellschaft sei das Engagement so alltäglich geworden, dass es manchmal gar nicht mehr als solches erkennbar sei. „Mit dem Luise-Kiesselbach-Preis wollen wir den Fokus auf die Menschen richten, die seit vielen Jahren ‚Demokratie leben‘. Unsere Preisträger und Preisträgerinnen haben gesellschaftliche Innovationen initiiert – vom Tastmodell in der Nürnberger Altstadt, über ein flächendeckendes Selbsthilfenetz für Volkskrankheiten wie Diabetes, hin zum Nachsorgenetz für an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche. Vieles, was sie aufgebaut haben, ist selbstverständlich geworden und aus dem sozialen Gemeinwesen schlicht nicht mehr wegzudenken“, lobt Margit Berndl.

Einer der Geehrten ist Dr. Christian Wolf. „Wir helfen hier und jetzt“ – Das Motto des ASB lebt Dr. Christian Wolf seit fast 40 Jahren. Seit einem Jahr hat er nun, neben seinem bisherigen ehrenamtlichen Engagement an der Basis, Verantwortung übernommen und ist zudem ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des Arbeiter-Samariter-Bundes in München/Oberbayern.

"Ich engagiere mich, weil ich Gutes zurückgeben möchte. Weil es mir ein gutes Gefühl macht, für die richtige Sache einzustehen“, sagt Dr. Christian Wolf.

Bereits während des Jurastudiums begann Dr. Christian Wolfs Vita beim ASB: als Rettungssanitäter, im Katastrophenschutz, als Zugführer, in der Motorradstaffel und bei KIT-München, dem von der Versicherungskammer Stiftung geförderte Krisen-Interventions-Team.

Seit 2014 ist Wolf nun Vorstandsvorsitzender des Arbeiter-Samariter Bunds München/Oberbayern. Damals wie heute ist sein Engagement von der Gewissheit getragen, „dass das, was man macht, das Richtige ist: Menschen beizustehen im schwierigsten Moment ihres Lebens“.

Die Arbeit an der Basis ist ihm ein wichtiges Anliegen und so sammelt er auch als Vorstand Eindrücke vor Ort, z.B. bei Nachtschichten in der Flüchtlingsunterkunft in der Messestadt Riem. Hier sieht sich der ASB in der Pflicht „anzupacken“ – sowohl bei der Erstversorgung als auch bei der Integration der Flüchtlinge.  

Die Nachwuchsgewinnung liegt Wolf am Herzen. Er möchte junge Menschen in ihrer Lebenswelt erreichen: „Wir müssen auf die jungen Menschen zugehen, uns dort platzieren, wo sie sind, in ihren Netzwerken. Vielen jungen Menschen fehlt das ‚Erleben‘. Deshalb machen wir auch Schnupperkurse, halten Referate bei Schulsanitätersymposien oder haben die Aktion „Diskofieber“ zu den Gefahren von Alkohol ins Leben gerufen.“

Über 28.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich im Paritätischen in Bayern und seinen circa 800 Mitgliedsorganisationen. Der Paritätische in Bayern ehrt Mitgliedsorganisationen und Menschen, die sich in diesen Organisationen ehrenamtlich engagieren, seit 2008 jährlich mit dem Luise Kiesselbach Preis. Die diesjährige Preisverleihung findet heute, am 4. Dezember 2015, 15 Uhr, in der Versicherungskammer Bayern (Maximilianstraße 53, 80530 München) statt.

Die Verleihung des Luise Kiesselbach Preises 2015 zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements wird von der Lotterie GlücksSpirale unterstützt. Die Veranstaltungsräume werden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Versicherungskammer Stiftung.

Weitere Informationen finden Sie unter www.paritaet-bayern.de/der-verband/wir-ueber-uns/luise-kiesselbach-preis-2015. Gern vermitteln wir Ihnen Preisträgerinnen und Preisträger für ein Interview oder senden Ihnen Fotos von der Verleihung.