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10.07.2015

Sichere Rückkehr mit dem ASB

Dr. Martin Dobbermann, ehrenamtlicher Flugarzt beim ASB-Rückholdienst - Foto - ASB/G. Graw

Ein schöner Urlaub auf Gran Canaria nahm für einen 54-jährigen Mann aus dem Rheinland kürzlich ein jähes Ende: Mit einem Herzinfarkt brach er im Hotel zusammen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Bald stand fest: Er muss für dringend notwendige Untersuchungen zurück nach Deutschland. Doch ohne ärztliche Begleitung war das Risiko zu hoch.

<figure>Kurz darauf erreichte den Rückholdienst des ASB in der Kölner Bundesgeschäftsstelle der Alarm: Ein Herzinfarktpatient musste sofort aus Gran Canaria geholt und in ein wohnortnahes Krankenhaus gebracht werden. In mehreren sogenannten Arzt-Arzt-Gesprächen klärten erfahrene Mediziner, die ehrenamtlich für den ASB-Rückholdienst im Einsatz sind, ob der Patient stabil genug für die Flugreise nach Deutschland war.

Sobald der erkrankte Urlauber transportfähig war, wurde nach Rücksprache mit ihm und seinen Angehörigen der Heimflug organisiert. Zunächst musste geklärt werden, welches Krankenhaus mit einer kardiologischen Fachabteilung im Raum Köln den Patienten aufnehmen konnte. Danach wurde ein verfügbarer Arzt gesucht. Einer der Flugärzte des ASB, Dr. Martin Dobbermann (38) aus Köln, hatte in seinem Hauptberuf in einer Klinik Urlaub und darum Zeit, sich mit dem nötigen Equipment auf den Weg nach Gran Canaria zu machen. Um 1.30 Uhr in der Nacht flog er los. „Wir hatten wenig Zeit, denn nach einem Herzinfarkt sind die Nachsorge und weitere Behandlung sehr wichtig, damit die Patienten sich vollständig erholen können.", erklärte der Notfallmediziner. Glücklicherweise konnte der herzkranke Mann in einem normalen Linienflugzeug nach Hause geflogen werden. „Er hatte allerdings bereits Flüssigkeit in der Nähe des Herzens", berichtet Dr. Martin Dobbermann. „Das kann zu schweren Problemen führen und musste schnell behandelt werden." Nach einem ruhigen Flug brachte Dr. Martin Dobbermann den Patienten in die Klinik nach Köln, wo er seitdem versorgt wird und gute Chancen auf eine vollständige Genesung hat.

Den kostenlosen ASB-Rückholdienst können nicht nur Mitglieder sondern auch deren Ehepartner, eingetragene Lebenspartner und Kinder, für die Kindergeldanspruch besteht, in Anspruch nehmen. Hochqualifizierte Helferinnen und Helfer begleiten die Patienten während des Transports und sorgen für die medizinische Versorgung. Egal, ob Sie im Ausland verunglücken oder in Deutschland Urlaub machen – ASB-Mitglieder werden im Notfall sicher und kostenlos zurückgeholt, wenn die geltenden Rückholbedingungen gegeben sind.

 „Pryvit Kiev!“ heißt ein Projekt des ASB-München. Bereits in diesem Projektnamen, der so viel wie „Hallo Kiew!“ bedeutet, steckt für mich deutlich der Grundgedanke: ein gegenseitiges Kennenlernen, ein Austausch der Kulturen und Erfahrungen in einer freundschaftlichen Atmosphäre. Doch nicht nur das. Dieses Kennenlernen steht nämlich vor dem Hintergrund die Geschichte und insbesondere die persönlichen Erlebnisse von ehemaligen ukrainisch-stämmigen Zwangsarbeitern aus der NS-Zeit zu thematisieren.

Zunächst befürchtete ich, dass das Behandeln der NS-Zeit ziemlich trocken werden würde. Schon etliche Male hinter der Schulbank besprochen, wurde diese schwere Thematik trotzdem immer wieder von neuem aufgerollt. Diese Thematik erneut zu betrachten, noch dazu mit mir völlig fremden Menschen, die kaum Deutsch beherrschen, erschien mir als schwierig. Aber das alles war in dem Moment vergessen, als ich der Gruppe aus der Ukraine zum ersten Mal traf. Bestehend aus Hauptteils SeniorInnen, die tatsächlich im geschichtlichen Zusammenhang mit der Zwangsarbeit unter dem NS-Regime stehen, komplettierten einige Jugendliche und DolmetscherInnen die Gruppe aus der Ukraine. Die gegenseitige herzliche Begrüßung, zeigte mir auf den ersten Blick, wie persönlich und somit interessant die bevorstehende Zeit werden würde. Denn obwohl die SeniorInnen mit Deutschland zumeist schlechte Erinnerungen und Geschichten verbinden, herrschte ein unfassbar inniger Umgang, was ich von Beginn an sehr bewundernswert fand.

Bei dem vielseitigen Programm des Projektes, durchliefen wir verschiedenste Situation. Von offiziellen Bürgermeister-Empfängen, über Besuche von ehemaligen, relevanten NS-Standorten und sogar einem ganz persönlichen Grabbesuch, bis hin zu unbeschwerten Ausflügen, war alles dabei. Beim Teilen von Eindrücken der Trauer, der Freude, des Staunens und der Hoffnung, entstand eine Verbindung, die vergessen ließ, dass uns eigentlich so viele Unterschiede trennten. Die Herkunft, das Alter, die biographische Vergangenheit spielte kaum noch eine Rolle, weil wir mit Verständnis und Ehrlichkeit miteinander die verschiedenen Eindrücke durchlebt haben. Und egal, was am Tag erlebt wurde, saßen wir abends alle zusammen beim Essen, haben uns über persönliche Ansichten, kulturunterschiedliche Traditionen ausgetauscht und haben gemeinsam gelacht. Das hat mir jeden Tag von Neuem gezeigt, dass es mehr gibt, was uns Menschen untereinander verbindet, was uns meistens jedoch nicht bewusst ist. Ein geteiltes Lachen, ein bisschen entgegengebrachte Aufmerksamkeit und Liebe, ein Fünkchen Vertrauen und Hoffnung in das Gute, überwindet jegliche Grenzen.

Es geht darum die Vergangenheit in Erinnerung zu halten, um aus ihr zu lernen. Aber es geht nicht nur um die Vergangenheit. Denn indem man die Vergangenheit gemeinsam im Bewusstsein hält, bilden sich im Hier und Jetzt neue Erfahrungen, die über Ländergrenzen, Sprachen und Generationen hinaus verbinden und die Grundlage einer neuen Zukunft schaffen kann.