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27.01.2015

Wie erkennt man gute Pflege?

Pflegereform 2015

Professorin Dr. Angelika Zegelin bei der ASB-Fachtagung am 9. Dezember 2014 in Erfurt. Foto: ASB/A. Königstein

Die Pflegereform 2015 soll die häusliche und stationäre Pflege verbessern. Doch wie erkennen Angehörige von Pflegebedürftigen eine gute Pflege? Worauf sollen sie bei der Suche nach einem Pflegedienst oder -heim achten? Antworten dazu gibt die Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Angelika Zegelin im Interview.

Professorin Dr. Angelika Zegelin von der Universität Witten/Herdecke beschäftigt sich seit rund 50 Jahren mit dem Thema Pflege – als Krankenschwester und seit fast zwanzig Jahren als Pflegewissenschaftlerin. Im Interview mit dem ASB erklärt sie, worauf Angehörige bei der Suche nach einem Pflegedienst oder Pflegeheim achten sollen. Darüber hinaus nimmt sie Stellung zur Pflegereform 2015.

Wie erkenne ich einen guten Pflegedienst? Worauf soll ich bei der Suche achten?

Professorin Dr. Zegelin: Die Qualität einer guten Pflege erkenne ich vor allem am Umgang mit dem Pflegebedürftigen. Gehen die Pflegekräfte auf seine Bedürfnisse ein? Darüber hinaus sollte man auf die Qualifikation der Pflegekräfte achten: Haben sie Ahnung von dem, was ich brauche, also zum Beispiel von Schlaganfall oder Inkontinenz? Bewertungen vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) sind nicht so aussagekräftig. Besser sind da Empfehlungen vom Hörensagen. Wichtig: Wechseln Sie den Pflegedienst, wenn Sie nicht zufrieden sind. Sie sind nicht mit ihm verheiratet.

Worauf sollten Angehörige bei der Suche nach einem Altenpflegeheim achten?

Professorin Dr. Zegelin: Das ist noch komplizierter. Im Internet findet man Checklisten zu Heimen, die eine schnelle Übersicht vermitteln. Allerdings nur zu äußerlichen Kriterien wie Essen oder Serviceangeboten. Ich würde eher nach weichen Kriterien gehen: Schauen die Mitarbeiter gut gelaunt? Wie gehen sie mit den Pflegebedürftigen um? Gibt es Fortbildungen zum Beispiel im Palliativbereich? Mein Tipp: Erstellen Sie sich eine eigene persönliche Frageliste. Wichtig: Schauen Sie sich die Einrichtung schon einmal vorher an. Denn Pflegebedürftigkeit kommt selten von heute auf morgen.

Kann man sich denn auf einen Pflegefall vorbereiten?

Professorin Dr. Zegelin: Natürlich ist die Vorbereitung auf den Ernstfall schwer. Aber man sollte immer wieder gemeinsam überlegen, was dann die beste Lösung wäre. Hören Sie heraus, was sich die älteren Menschen wünschen. Gerade weil die Kinder heutzutage beide arbeiten und die älteren Menschen sich sorgen, zur Last zu fallen, sollte man rechtzeitig darüber reden. Wer nicht plant, entscheidet sich dann aus Zeitnot oft für die schlechteste Lösung.

Geht die Pflegereform 2015 in die richtige Richtung?

Professorin Dr. Zegelin: Die Pflegereform ist nur eine kleine Nachbesserung, vor allem im Demenzbereich. Da war auch ein großer Nachholbedarf. Aber für Menschen mit Parkinson, Schlaganfall oder Krebskranke wird weiterhin nicht genug gemacht. Durch die Pflegereform werden jetzt in den Heimen mehr Leute eingestellt, aber das reicht nicht. Es müssten vor allem qualifizierte Leute eingestellt werden. Doch wir haben ja auch noch das Problem des Fachkräftemangels. Wir brauchen mehr qualifizierte Leute und mehr Mitsprache.

Wieso brauchen Pflegekräfte mehr Mitsprache?

Professorin Dr. Zegelin:Pflegekräfte sollten ihren Beruf besser in der Öffentlichkeit darstellen. Sie sind auch zu wenig organisiert. Nur sieben Prozent der Pflegekräfte sind Mitglied in einem Berufsverband. Pflegekräfte sollten zeigen, welche gute Arbeit sie leisten und wo der Schuh drückt.

Sie kritisieren immer wieder, dass gute Pflege zu wenig wissenschaftlich untersucht ist. Warum ist das so?

Professorin Dr. Zegelin:Es fehlen Untersuchungen, weil es dafür zu wenig Forschungsgelder gibt. Man weiß, was schlechte Pflege ist. Gute Pflege braucht Zeit für Gespräche und sie wirkt sich sicherlich auf den zu Pflegenden aus. Ich befürchte, dass will aber keiner wissen. Denn dann würde offensichtlich werden, dass man für die Pflege mehr Leute und mehr Zeit braucht.

Die Leistungen der Pflegeversicherung ab 2015 (pdf)