Ambulante Pflege – Gegen schnell und billig!
Datum: Donnerstag 19 August 2010 11:40:38
Thema: Häusliche Pflege


Gemeinsam für eine angemessene Vergütung der ambulanten Pflege

PflegeDer ASB München hat sich der Kampagne gegen Dumping-Preise in der ambulanten Pflege, initiiert durch die AWO Bayern, gerne angeschlossen. Auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Patientinnen und Patienten tragen die Konsequenzen, die sich aus nicht angepassten Kostenentwicklungen ergeben. Damit diese Entwicklung nicht auf Kosten der pflegebedürftigen Menschen geschieht, erfüllen die Pflegekräfte ihren Pflegealltag meist über das von Kostenträgerseite finanzierte Maß hinaus. „Helfen ist unsere Aufgabe“, diesem Anspruch des ASB möchten wir gerne gerecht werden und unterstützen deshalb diese Kampagne. Diese Kampagne gegen schnell und billig steht für den ASB München vor allem für eine menschenwürdige und fachkompetente Pflege. Unter www.wollen-wir-das-wirklich.de finden Sie weitere Informationen über die Situation der ambulanten Pflege und über öffentlichkeitswirksame Aktionen in Bayern.

>Auszug aus www.wollen-wir-das-wirklich.de :

PfelgeweichIn Bayern werden fast 70.000 Menschen in ihrer Wohnung - zum großen Teil täglich - von ca. 31.700 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der ambulanten Pflegedienste betreut (Zahlen aus 2007).
In Bayern gibt es ca. 1780 (Stand Ende 2007) ambulante Pflegedienste unterschiedlichster Größe. Sie werden von frei-gemeinnützigen Trägern / Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege (ca. 46,1 %), von privat-gewerblichen Trägern (ca. 52,6 %) und von öffentlichen Trägern (ca. 1,2 %) betrieben.
Die ambulante Pflege braucht genügend Ressourcen, Zeit und Geld, damit die pflegebedürftigen Bürger und Bürgerinnen zu Hause mit der notwendigen Zeit und in Würde versorgt werden können. Die ambulanten Pflegedienste in Bayern – und nicht nur dort – leiden aber schon seit Jahren darunter, dass die bestehenden Gebühren und Vergütungen für die häusliche Krankenpflege (Krankenversicherung) und für die häusliche Pflege (Pflegeversicherung) keine angemessene Finanzierung der Dienste erlauben. Die Gebühren und Vergütungen werden von Seiten der Kostenträger (Kranken- und Pflegekassen) schon seit Jahren nicht den tatsächlichen Kostenentwicklungen angepasst. In der Folge nahm und nimmt der Zeitdruck in der Pflege immer mehr zu - längst ist von "Rennpflege1" oder "Pflege mit der Stoppuhr" die Rede. Um die pflegebedürftigen Menschen nicht zu vernachlässigen, leisten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste im Alltag mehr, als die Vergütungsstruktur der Kranken- und Pflegekassen bisher vorsieht: Diese Dauerbelastung geht auf Kosten der pflegebedürftigen Menschen und des Gesundheitszustandes der Pflegekräfte und ist auf Dauer nicht tragbar! Der Anteil der Ausgaben für Häuslichen Krankenpflege (Krankenversicherung) an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung betrug im ersten Quartal 2010 ca. 2 %. Im Rahmen der Pflegeversicherung erhalten etwa 1/3 der pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause versorgt werden, Leistungen von professionellen ambulanten Pflegediensten. Ambulante Pflege geht uns alle an! Früher oder später wird tendenziell jede und jeder einmal einen ambulanten Dienst in Anspruch nehmen – sei es für Angehörige oder für sich selbst. Es lohnt sich also, sich für die ambulante Pflege einzusetzen! Auf Initiative der ambulanten Pflegedienste der AWO in Bayern haben sich an vielen Orten in Bayern Pflegedienste verschiedenster Träger zusammengeschlossen, um in einer Öffentlichkeitskampagne auf die schwierige Situation der ambulanten Pflege und Versorgung aufmerksam zu machen und endlich eine Verbesserung zu erreichen! Gemeinsam für eine angemessene Vergütung ambulanter Pflege!
1. Immer mehr Bürger erreichen ein hohes Alter und sind auf Pflege und Unterstützung angewiesen. Ambulante Pflegedienste gewinnen immer mehr an Bedeutung, um ihnen auch bei Pflegebedürftigkeit den Verbleib in der vertrauten häuslichen Umgebung zu ermöglichen.
2. Allein in Bayern werden fast 70 000 Bürger (2007) z.T. täglich von ambulanten Pflege-diensten betreut, rund 31 700 Mitarbeiter (2007) sind dazu täglich unterwegs. Die Fahrzeuge von ambulanten Pflegediensten gehören inzwischen zum alltäglichen Erscheinungsbild auf den Straßen in der Stadt und auf dem Land.
3. Angehörige und Pflegedienste sind Partner bei der Betreuung und Pflege und teilen sich die Verantwortung für die pflegebedürftigen Bürger. Pflegedienste ermöglichen den pflegenden Angehörigen, weiterhin für ihre Angehörigen zu sorgen.
4. Ambulante Pflege bietet und gewährleistet Sicherheit und Ansprache für ihre Patienten über die eigentliche Pflege hinaus. Pflegedienste sind häufig die einzigen Besucher und Ansprechpartner für die Patienten.
5. Wenn keine Angehörigen sich kümmern, unterstützt die ambulante Pflege die Patienten bei der Organisation des Alltages, Versorgung mit Essen, Arzttermine, Behörden, Wohnungsangelegenheiten, Fußpflege, ...
6. Krankenhäuser entlassen Patienten immer früher, häufig Knall auf Fall – die ambulante Pflege macht Handstände, um die Pflege und Versorgung auf die Schnelle zu sichern – und sorgt für enorme Einsparungen bei den Krankenkassen!
7. Ambulante Pflege fällt nicht aus – egal ob es stürmt, schneit oder Straßen gesperrt sind, die Pflege kommt, wenn es Not tut, mehrmals täglich und in der Nacht.
8. Ambulante Pflege lässt Patienten nicht im Stich, auch wenn Pflegeeinsätze weit über das wirtschaftliche Maß hinausgehen.
9. Die Mitarbeiter der Pflegedienste sehen sich in der Verantwortung für die von ihnen abhängigen Patienten – und laufen zunehmend Gefahr, dass sie durch die hohe Belastung selbst Schaden nehmen.
10. Pflegedienste wollen Patienten pflegen - und keine Akten! Die Pflegedienste werden mit ständig neuen Regelungen und Anforderungen an Nachweisen durch die Kostenträger konfrontiert. Der Arbeitsaufwand für die Verwaltung steigt – Zeit, die den Patienten verloren geht!
11. Ambulante Pflege ist kein Sparstrumpf! Jeder Cent, den Krankenkassen für die notwendige Finanzierung verweigern, geht auf Kosten der Patienten und Mitarbeiter in den Pflegediensten.
12. Ambulante Pflege braucht Ressourcen, Zeit und Geld, damit die pflegebedürftigen Bürger weiterhin zu Hause mit der notwendigen Zeit und in Würde versorgt werden können und die Pflegenden in ihrer Verantwortung für die Patienten gestützt und nicht weiter ausgenutzt werden.
13. Für die ambulanten Pflegedienste in Bayern ist das Ende der Fahnenstange erreicht:

- Schluss mit dem Preisdiktat der Krankenkassen, das ambulante Dienste in die Insolvenz treibt- Schluss mit dem ständigen Misstrauen und der Kontrollwut durch die Kassen

- Schluss mit dem Ausnutzen und der Überforderung der Mitarbeiter in ihrer Verantwortung für die von ihnen abhängigen Patienten Ambulante. Pflegedienste mit ihren Mitarbeitern brauchen nicht nur moralische sondern eine deutliche finanzielle Unterstützung der Kostenträger, der Politik und der Bürger, damit genug Raum für eine menschenwürdige Pflege bleibt!





Dieser Artikel kommt von Arbeiter-Samariter-Bund RV Muenchen / Oberbayern e.V.
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